Woche 1 bis 6 2013 - aller Anfang ist schwer

 

 

 

 

 

Wir schreiben Weihnachten 2012. Für uns hier ein bedeutungsloser Tag; wir haben keinen Tannenbaum, keine Geschenke, kein spezielles Essen, keine Kerze; 4 Spitzbuben vom Bioladen, die aber irgendwie gar nicht nach Daheim schmecken
wollen, und so lassen wir's endgültig sein und beschliessen, uns mit einem neuen Reiseland zu beschenken.
Auch nicht übel, oder?

Bienvenidos a Mexico! Die Halbinsel ‘Baja California’ ist 1300 km lang. Niederkalifornien, wie sie auf Deutsch heißt, ist maximal 250 km vom Festland entfernt, zu ca. 65 % von Wüste bedeckt, und die Bergketten erheben sich bis über
3000 m über den Meeresspiegel.
Surfer suchen die perfekte Welle an der Pazifikküste, am Golf von Kalifornien kann man wunderbar schnorcheln und Kajak fahren. Mit einem 4X4 kann man tagelang über Pisten im Hinterland fahren, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Schöne Strände, endlose Kakteenwälder oder imposante Missionen, die ein stilles Zeugnis der Christianisierung ablegen, die Baja ist unglaublich vielseitig.

 

 

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Wir aber ahnen nicht, in welche Pechsträhne wir uns reinreiten. Noch sind wir guter Dinge und genehmigen uns einen letzten Starbucks Besuch in den USA, bevor wir Richtung Grenze durchstarten.
Die Grenze ist komplett menschenleer; weder Legale noch Illegale streunen umher, keine Polizei, keine Touristen. Wir sind tatsächlich weit und breit die Einzigen, die am Schalter auf den Beamten warten, der natürlich zuerst noch seine liebste Telenovela (TV-Soap) zu Ende schauen muss, bevor er sich unseren Visa widmen kann. Man muss wissen, wenn die Latinos etwas lieben, dann sind es ihre Telenovelas- diese haben stets erste Priorität. Aber wir haben ja Zeit... und als der Herr Telenovela-Zöllner dann doch noch seiner Stellenbeschreibung nachgeht, ist die Sache innert weniger Minuten erledigt, und wir haben unser 6 monatiges Visum in der Tasche. Noch ein kurzer Besuch bei der Autozulassung und auch unser Auto ist legal eingereist. ‚Das klappt ja alles wie am Schnürchen‘ denken wir noch, als wenige hundert Meter später sich Ernüchterung breit macht. Sogar Ursi hört, dass irgendetwas mit dem Auto nicht in Ordnung ist, es scheppert beim Bremsen. Michel‘s Adlerblick unters Auto bestätigt die Befürchtungen. Wir haben die Bremssattelschraube verloren und der Bremssattel droht abzufallen! Diese verdammte Schraube hat Michel daheim bereits sauber angezogen gehabt, und sogar sicherheitshalber durch eine neue ersetzt.  Aber hier mitten in der Wüste am 25. Dezember eine M12x1 Feingewindeschraube zu finden, ist schwieriger als einen echten Tannenbaum zu kaufen! Nachdem wir unendlich lange die Strasse abgesucht haben, geben wir uns geschlagen und zwingen wir uns in ein Hotel. Die Stimmung schwankt beträchtlich...
Am nächsten Tag finden wir dann zufälligerweise heraus, dass eine der ‚made in USA‘ Felgen einen 10cm langen Haarriss hat. Da nützt uns die lebenslange Garantie hier in Mexico auch nix mehr. Und abends noch das Sahnehäubchen: unser linkes Achsschenkellager ist futsch, das Rad wackelt bereits ein paar Millimeter hin und her! Die Möglichkeit eines totalen Lagerschadens hängt über Michel wie ein Damoklesschwert: dann ist Ende Feuer,  Abbruch, Game Over, Hasta la vista Baby und das mit unserem momentanen Glück sicher irgendwo oben auf der Abbruchkante einer 1000m hohen Klippe.

Wie durch ein Wunder lernen wir am Tag darauf einen supernetten Mexikaner kennen, der uns prompt vor der Hotelpleite rettet. Wir können fast eine Woche lang bei Rene in Mexicali wohnen und er & sein Kumpel Hector setzen sich unglaublich für uns ein, um wenigstens die Felgengeschichte in den USA für uns zu lösen. Tage später haben wir neue Bremssattelschrauben vom Autoschrott, dank ihnen eine neue Felge, und die Erkenntnis, dass ein neues Achsschenkellager 2-3 Wochen Lieferzeit hat. Es bleibt eine Erkenntnis, denn wir wollen nicht so lange in Mexicali versauern. Vielen herzlichen Dank für eure Unterstützung und die unglaubliche Hilfsbereitschaft kompletter Fremder!

Wir wollen mit den Reisenomaden Neujahr feiern, und weil es bis dahin nur noch 2 Tage sind, müssen wir unbedingt los!

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 Im Eiltempo geht’s via Offroad Piste zur Bahia de los Angeles; 150km vor Ankunft ist das bekannte Zischen zu hören. Michel hält an, steigt aus und flucht! Der jungfräuliche Reifen mit kaum 200km Laufleistung hat eine 15cm lange Schraube durch das ganze Profil! Hört unser Pech denn nie auf??? Wir schaffen es damit bis zum Endziel und kümmern uns später darum. Sehr schade um den nigelnagelneuen Reifen...

Die Bahia La Gringa ist superschön gelegen, die Wellen rauschen, das Wasser glitzert. Endlich etwas ausspannen.... aber Steffi hat eine fiese Blasenentzündung erwischt, und die grosse Neujahrsfeier endet früh im Bett. Wir beschliessen, sehr zeitig am 1. Januar ins Krankenhaus nach Guerrero Negro zu fahren, wo ihr prompt geholfen wird, und wo wir hoffentlich endlich den Murphy hinter uns lassen können! 

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Die Achsschenkelteile aus den USA sind bestellt, Michel weist die zuständigen Amis mindestens 10x darauf hin, dass sie die Teile auf Richtigkeit überprüfen sollen und verbringt Tage im Internet mit recherchieren. In 3 Wochen müsste das Paket mittels UPS dann in La Paz bei Rene’s Kollegen eintreffen. Somit müssen wir die meisten unserer geplanten Abenteuertouren leider streichen. :o(  Offroad Pisten sind gestrichen, die Gefahr ist zu gross! Auf dem Weg gen’ Süden geniessen wir noch ein paar Tage die Ruhe an einsamen Stränden, erkunden kleine Dörfer mit schönen Missionen und beobachten Geier, bis sich dann unsere Wege trennen, und wir Ursi’s Cousin Beat in Cabo San Lucas besuchen.

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Wir werden ein paar Tage lang von A bis Z verwöhnt, kommen in den Genuss von Beat’s legendärem Zürcher Geschnetzeltem und dürfen zum krönenden Abschluss für 1 Nacht lang sein Hotel „testen“. Ursi geniesst stundenlang die erste und wohl letzte Badewanne auf der Reise, und Michel nutzt verschwenderisch die Doppel -Duschbrause. Sowas hat man nicht mal daheim! ;) 
Der Abschied von Beat, seiner Frau Jacky und den Kindern Taina und Diego fällt Allen schwer; wie schön es doch ist, in fernen Ländern jemanden um sich zu haben, der ein Stück vom Zuhause verkörpert, vor Allem, wenn man sich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat!
Danke euch für Alles!

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Es wird Zeit, etwas Ruhe zu suchen und wir fahren ein bisschen weiter nördlich nach Cabo Pulmo, wo wir wieder auf die Reisenomaden mit Steffi’s Eltern treffen. Wir verbringen dort gleich eine ganze Woche am Strand. Wunderschön und sehr einsam, leider bläst der “Norte” (Nordwind) ununterbrochen, und die sonst ruhige, schnorchelbare Cortez See hat sogar richtige Wellen! Wir machen Spaziergänge und können endlich mal wieder richtig toll fotografieren! Die Sonnenunter- und -aufgänge sind absolut spektakulär, und an einem Morgen können wir springende Mantas und Wale beobachten!

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Die Zeit drängt und wir müssen leider langsam Richtung La Paz, unser Paket aus den USA müsste bald ankommen! Denkste... die Ernüchterung ist gross, als wir sehen, dass das Paket in Kenntucky ist, anstatt in La Paz! Viel zornige Anrufe gehen ins Lande, die Quintessenz daraus ergibt: das Paket geht zurück nach Utah zum Sender- wieso weiss nicht mal UPS selbst- und wir sind gleich weit wie schon vor 3 Wochen! 4 Tage später verschickt UPS das Ganze auf ihre Kosten per Express, was trotzdem fast 1 Woche dauert. Zumindest haben sie ihren Fehler eingesehen!
Wir verbringen diese Woche an der Playa Tecolote mit den Reisenomaden und Ina & Xaver, die wir bereits im Death Valley kennen lernten. Tecolote ist ein ruhiger, karibisch-klarer Traumstrand, an dem wir wunderbar ausspannen können- und erst noch völlig umsonst übernachten dürfen.

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Da das Paket dann doch endlich in Mexiko unterwegs ist, begeben wir uns frohen Mutes auf den Campingplatz in La Paz, wo Michel mit Benny’s Hilfe den Patienten vorbereitet, die Achse bereits auseinander nimmt und alle Teile reinigt. Kurz darauf trifft das ersehnte Paket ein, jedoch wie schon fast erwartet, haben die Ami Stümper die falschen Teile eingepackt!
Wir stehen nun also auf dem Camping mit einem Auto ohne Achsschenkel und ohne passende Teile! Nach einigen sehr bösen Telefongesprächen schicken die Amis die richtigen Teile (Holz anfassen!!) mit UPS Express erneut los. 1 Woche später kommen tatsächlich die richtigen Teile an, und werden bis tief in die Nacht hinein eingebaut. Was für eine Steissgeburt!!!

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Und hier ein kleines Timelaps Video wie wir die 2te Seite bis spät in die Nacht überholen.

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Der Toyo fährt wieder wie neu, und wir können eeeeendlich los aufs Festland! Wir geniessen noch ein paar Tage am Strand von Tecolote, und setzen spontan auf die Fähre nach Topolobampo, denn die nach Mazatlan ist komplett ausgebucht. Bye bye Baja, wir haben es hier trotz dem bitteren Beigeschmack der Pleiten wegen extrem genossen!!!
Und zu guter letzt: ein grosses Dankeschön an Benny & Steffi für all ihre Hilfe und ihren Rat!!!

 

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