Woche 50 bis 52 - Über die Philosophie des Reisens...

 

 

 

 

 

Wir sitzen im Flugzeug Richtung Hawaii. Über 6h dauert der Flug. Beachtlich wenn man bedenkt, wie
wenig sowas kostet. 6 Stunden Zeit, um über den Wolken die vergangenen 7 Monate Revue passieren zu lassen.
Wir freuen uns riesig, endlich Ferien machen zu können: entspannen, schlendern, lesen, baden, nichtstun- halt Ferien wie man's so kennt. Wir schliessen die Augen, träumen vom türkisblauen Wasser und den Mai Tai's und hören:
"Ferien?!? WAS???? Ihr seit doch schon seit Mai in den Ferien!"

 

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Etwas, das Viele nicht realisieren können oder wollen, obwohl wir es immer wieder betonen:
Reisen ist nicht gleich Ferien!
Nur wer so schon mal gereist ist,versteht es, alle anderen schütteln nur den Kopf...
Wenn wir Leute daheim fragen, wie es ihnen geht, oder dass sie uns doch etwas von daheim erzählen sollen, hören wir des öfteren Kommentare wie "ach, ich will euch nicht langweilen mit meinem öden Leben" was soviel heisst wie: wir Camel Trophy Abenteurer sind wohl zu gut für solche Geschichten. Excuse me!

Nun lasst es uns euch schriftlich geben: ihr habt keine Ahnung! Mal gucken ob wir nach der Auflistung eines ‘normalen’ Tagesablaufs immer noch Camel Trophy würdig sind :o)

 

 

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5:30 der Alarm schreit unerbittlich in die Stille hinein
6:00  Kisten auspacken, Kleider rausnehmen, Kisten wieder rein, anziehen, Auto verschliessen und mit Kamera & Stativ bewaffnet aus dem Auto rennen, da wir spät dran sind
7:00 beim Zielpunkt sein, sich einen abfrieren und warten, bis die Sonne aufgeht
7:10  die Fotos sind im Kasten, der Spuk ist vorbei. Mit knurrendem Magen zurücklaufen.
8:00 Ankunft beim Auto. Ursi macht Frühstück, Michel muss sich derweil mindestens drei Mal an ihr vorbeizwängen. Dann probiert er, seine abgefrorenen Finger wieder aufzutauen und macht dann den Hunden Frühstück, wobei er natürlich wieder mindestens zwei Mal an Ursi vorbei muss.
8:30 Frühstück, ENDLICH, schliesslich sind wir seit mindestens 3 Stunden auf den Socken
9:00 die Berge Geschirr abwaschen, möglichst wassersparend, was doppelt so lange dauert. Geschirr abtrocknen und alles im Teamwork versorgen.
9:30 Kisten wieder rausnehmen, umziehen, etwas bequemer anziehen und alle Kisten und Utensilien wieder versorgen
10:00 Auto fahrbereit machen, Dach runter, alle Luken zu, alle Schrank und Schubladentüren zu, Hundeteppiche reinlegen und Hunde rein. Alles nocheinmal kontrollieren. PC einschalten. GPS einschalten, Karten reinladen. Ziel anvisieren und das Ganze nochmal von vorne, da der PC überfordert ist und abstürzt. Eventuell ein weiteres Mal.
10:15 endlich können wir los, aber der Hunger macht sich bei Michel bereits breit. Gemäss Navi sind wir 2-3h vom nächsten Supermarkt entfernt
13:00 beim Supermarkt ankommen, Ursi fängt an zu kochen, Michel geht einkaufen. Oder manchmal geht Ursi einkaufen während Michel Infos im Internet recherchiert.
14:00 ja, sage und schreibe 1h im Supermarkt verloren. Jeder Supermarkt ist anders, man sucht und sucht bis man das entsprechende gefunden hat. Die Preise stehen nicht an den Produkten, ist es genmodifizierter Müll, ist es Preis pro kg, pro Pfund oder pro Packung? Viel Kopfrechnen, vergleichen, lesen. 1h ist eher kurz berechnet, manchmal ist es mehr und das alle 2-3 Tage.
14:05 Endlich können wir essen, Michel ist halb verhungert!
14:30 wieder 30min abwaschen, abtrocknen, Tisch verräumen, alle Kisten verräumen, Hundematten schütteln, reintun, Hunde rein, Luken zu. Siehe auch 10:00
14:45
gemäss Internet müssen wir noch 1.5h fahren bis zu einem National Forrest oder BLM, wo man gratis campen kann
16:00 wir haben heute Glück und kommen noch bei Tageslicht an. Nun müssen wir eine abgelegene Strasse suchen, wo uns niemand sieht. Michel will immer einen versteckten Platz haben, wo uns bestimmt niemand sieht.
16:30 Glück gehabt, heute haben wir recht schnell was gefunden. Auto zehn mal hin und her gondeln bis es gerade steht oder auch nicht. Geht der Kühlschrank auf oder muss man wegen der Neigung rohe Gewalt anwenden? Statistik eintragen im PC, abspeichern. Getankter Diesel berechnen. Dach rauf, Hunde raus, Hundematten raus. Hunde UNVERZÜGLICH anbinden, da Fluchtgefahr besteht, oder Müllfress- Alarm oder sonstwas.
16:45 Kamera & Stativ bereit machen für Fotos, Auto verschliessen und losrennen, da die Sonne bereits wieder verdammt tief steht... oh nein, Brille vergessen, oder Wasser, oder Taschenlampe, oder sonst irgendwas und Hunde mitreissen, da diese eher an den Gerüchen, als am Sonnenuntergang interessiert sind.
17:30 am Ziel ankommen, falls man es findet- ansonsten fünf Mal hin und her rennen, dann paar Fotos schiessen
18:00 zurück am Auto, Hunde füttern, Ursi kocht, Michel muss sich mindestens fünf Mal vorbeidrängen, gleichzeitig Fotos auf den PC laden, Michel sichert vorne am Navigations PC die GPS Daten, Kisten raus, umziehen, Kisten rein,
essen, den nächsten Tag planen
19:00 Essen ist fertig, essen
19:30 wieder Geschirr abwaschen, abtrocknen, verräumen, siehe auch 9:00 und 14:30
19:45
Zähne putzen, umziehen. Film angucken? Etwas lesen? Böööh, zu müde, und Auto ist mit 15 Grad langsam zu kalt.
20:00 früh ins Bett wie die Grosseltern, Wecker stellen
20:15 im Land der Träume
00:00 Harndrang. Anziehen und raus in die Kälte. Hund rauslassen, der will sich nämlich auch erleichtern.
00:05 Hund suchen
00:10 Hund einladen, einsteigen, ausziehen, ins Bett klettern, weiterschlafen.
REPEAT. REPEAT. REPEAT.

 

 

 

 

 

Michel und gern abwaschen? Wer Michel kennt, weiss, dass er es hasst, wie die Pest. Aber es gibt leider kein drum herum- der Geschirrspüler hat es leider nicht ins Auto geschafft. Ausserdem ist das ein Tagesablauf OHNE Ringen mit dem trotzigen Tankschlauch, OHNE Kämpfe mit den besten Waschmaschinen der Welt, OHNE stundenlange Internetrecherche wo man als nächstes Schlafen kann, ohne von einem Raubtier gefressen zu werden,
 wo man diese verflixte Schraube, Halterung, Info etc. herbekommt.
Man kann es kaum glauben, wie viele Stunden ins Land gehen können, um eine simple Schraube oder ein simples Kabel zu erhalten; daheim dauert sowas schlappe 10 Minuten. Hier: STUNDEN wenn nicht Tage!!!
Und so vergehen oftmals die wilden Tage beim Reisen... unser Reisealltag.

Aber wenn es uns nicht passen würde, wären wir längst wieder daheim.
Dennoch ist es oftmals ernüchternd, was für einen normalen Alltag man beim Reisen hat oder haben muss.
Weder eine grosse Portion Abenteuer, noch  süsses Nichtstun sind da zu spüren.
Ferien sind das, was wir jetzt in Hawaii machen.  Man gönnt sich ja sonst nichts! :) 11 Tage relaxen; weder stundenlang abwaschen, noch im Supermarkt in den Gängen wie ein Teufel den Preisetiketten nachjagen. Das Anstregendste wird sein, das Essen von der Karte zu wählen und bestellen. Das sind Ferien, und wir freuen uns sehr!!!

Es soll also niemand sagen, er wolle uns nicht mit seinem öden Alltag langweilen, ab jetzt ist das endgültig nur eine lahme Ausrede! Ansonsten werden wir auch anfangen, UNSEREN wildromantischen Alltag zu beschreiben. Es gibt nämlich unglaublich viele Geschirrabwaschtechniken, die Michel mittlerweile perfekt beherrscht!

Über Hawaii wollen wir nicht viel erzählen, aber wir geniessen die Zeit auf Kauai und Oahu extrem, und erholen uns sehr gut. Auch den Hunden geht es prächtig, wir erhalten per Mail täglich Fotos und einmal gibt es sogar eine Skype Session mit den Vierbeinern :o)

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11 Tage sind aber auch bei Nichtstun extrem schnell vorbei, und ehe wir uns versehen, sind wir wieder dem nebligen Los Angeles ausgesetzt. Das Auto hat zwar wieder Luft auf einem Reifen verloren, aber ansonsten ist alles in Ordnung.
Die Hunde werden abgeholt, und wir tuckern weiter nach Huntington Beach in Orange County, wo Michel früher eine Weile lang gewohnt hat. Dort können wir bei Kristy & John ein paar Tage bleiben, und alles für unsere baldige
Ausreise vorbereiten inkl. dem Kauf eines Bodyboards für Ursi und eines neuen Surfboards, das Michel zu einem super Preis ergattert! Wir verstehen uns wunderbar mit unseren zwei Gastgebern und deren Mops-Boston Terrier Mischling
Mia. HERZLICHEN DANK euch Beiden!!!! Leider steht Weihnachten vor der Türe, und die Leute spinnen noch viel übler als bei uns! Nach einer Woche sind wir schon wieder reif für Ferien, es wird Zeit, wieder die Ruhe in der Natur zu suchen.

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Wir freuen uns riesig auf Mexiko, obwohl uns ein paar Amis tunlichst von diesem Vorhaben abraten, da uns
bereits am 1. Tag der Tod im Kugelhagel oder eine üble Folterung im Säurebad droht! Aber wie die Amis sagen: "it's getting old" , es wird langsam lästig, täglich den Paranoia-Standpauken zuzuhören. Angst macht uns eher die Waffengeilheit der Leute HIER! Die geplanten Stops werden gespült, und wir beschränken uns auf Besuche der Anza Borrego, eine Wüste ähnlich dem Death Valley, und der Salton Sea, ein See, der nahe der Grenze liegt. Es ist ein unglaublich einzigartiges Vogelparadies, das jedoch (oh wunder...) in akuter Gefahr schwebt mitsamt all den Vögeln dort.

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Trotzdem erwischen wir die von uns gesuchten süssen Kaninchenkäuze! Sie sind einfach unschlagbar ulkig! Und für ein Mal ist das frühe Aufstehen ein ganz Leichtes :o)

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Hier an der Salton Sea werden den drolligen Käuzchen künstliche Behausungen zur Verfügung gestellt, die ihren Zweck gut zu erfüllen scheinen.

 

 

 

 

 

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Wir schreiben den 25 Dezember. Es ist tote Hose hier, Weihnachtsflaute, Laune nahe dem Nullpunkt und wir haben richtig Lust auf Mexico! Der Motor fährt auch fast nur noch mit Dieseldämpfen.
Wir entscheiden uns spontan die Grenze in Calexico/Mexicali an Weihnachten zu überqueren. Zu unserer grossen Überasschung ist KEIN Schwein vor Ort! Wir sind in 10 Minuten immigriert und beim Banjercito ist der Spuk um die Autozulassung nach 20 Minuten auch vorbei. Perfekt! Wir sind bereits in Mexico!

Ándale!